Streak doch einfach…

24. Juli 2010 | Von Daniela | Kategorie: Unwegsames beim Laufen

Z Hlen By S -Hofschlaeger Pixelio-150x120 in Streak doch einfach...Nun hatte es mich also auch erwischt…es? Naja, eher ER. Der innere Schweinehund, kurz ISH (oder auch: ich schlaffes Huhn).

Wochenlang kaum ein Lauf, gequält von anhaltender Formschwäche, die allerdings durchs nicht-Laufen nicht wirklich besser wurde. Ich wusste doch wie es geht: Schuhe an und los. Ich wollte…ich wollte wirklich, aber irgendwie…naja…wurds eben nicht mehr als ein Vornehmen und wieder verwerfen.

Gute Ausreden fehlten natürlich nie: beruflicher Stress, keine Zeit, Kopf-/Bauch-/Hals-/Rücken- Schmerzen…die Liste war lang und sagte im Grunde doch tatsächlich nur eines aus:  keine Lust! Und damit wieder Unzufriedenheit weil ich doch eigentlich “müsste”. Zugenommen hatte ich auch, na toll.

Das Licht am Ende des Tunnels: Urlaub. Das magische Wort, eine Zeit voller leerer Stunden, die nur darauf warten mit Dingen gefüllt zu werden, die lange liegen blieben. So wie der Bügelwäscheberg, das Fensterputzen, die noch anzunähenden Knöpfe, Papiere sortieren und abheften…ähm, war da noch was?? Ach ja, natürlich: endlos Zeit um wieder genussvoll zu laufen.

Die ersten 1,5 Wochen gingen für einiges Andere und eine Urlaubsreise drauf. Matthias brachte mich dort in einem Gespräch darauf: “Um richtig wieder reinzukommen muss man wahrscheinlich wirklich täglich laufen.”  Das hörte sich ziemlich sinnvoll an. Täglich laufen, “Streak-Running”, wie es so schön im Läuferdeutsch heißt. Was bedeutete das nun, da gibts doch Regeln? Ich wills ja “richtig” machen, nicht nur irgendwie. Schnell mal nachgelesen erfahre ich auf der “streakrunner.de”-Seite wie es “richtig” geht. Im Fazit: ich muss jeden Tag zwischen 00:00 und 24:00 Uhr eine Laufstrecke von 1,6km laufen. Jeden Tag, ohne Ausnahme, jeden.

So weit so gut, wann fang ich denn mal an? Morgen, oder lieber Montag (also übermorgen) oder…halt, stopp! So geht das nicht. Ich muss natürlich heute, jetzt und sofort anfangen.

Tag 1: Ich fang dann mal an. Kleine Streck zum wieder reinkommen. 4,2km ums Maisfeld und den Sportplatz. Beine sind gut, Puste nicht ganz so, aber ok. Gar nicht mal so übel für wochenlanges Rumhängen. Schön wieder zu laufen. Morgen fahren wir in den Heide-Park. Da hab ich eigentlich nun wirklich keine Zeit zum Laufen. Aber ich tu es trotzdem…..ehrlich!

Tag 2: Ganz ehrlich, ein perfekter Tag für Ausreden.  Sonntag, 6 Uhr aufstehen, Proviant zusammenpacken, Kaffe schlürfen, Abfahrt. 9 bis 18 Uhr volle power durch den Heide-Park, ein Fahrgeschäft nach dem anderen wurde abgeklappert. Hin und her und her und hin..da kamen sicher auch schon ein paar Kilometer zusammen. War ein spaßiger Tag, aber auch anstrengend. 19:30 Uhr kamen wir wieder zu Hause an.  Laufen? Laufen! Kurz das Nötigste wegräumen, rein in die Laufklamotten und Tschüß! Noch kürzere Runde als gestern, mehr geht nicht, muss aber ja auch nicht. Icon Smile in Streak doch einfach...   Die ersten 500 Meter sind ziemlich verkrampft, vor allem im Schulterbereich. Der Schritt eher schleppend. Gut dass es nur 3,6km werden, das geht auch unlocker. So schlimm wirds dann aber doch nicht, nach 2km bin ich überraschenderweise doch ziemlich locker geworden. Nicht gerade spritzig, aber gut. Hei, das macht direkt Spaß, klasse. Ich mag es. Ein Gefühl der Zufriedenheit stellt sich ein. Die letzten 500m könnte ich glatt sprinten, tu ich aber nicht. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Und der bietet nicht mal vernünftige Ausreden. Brauch ich auch nicht, ich will ja laufen.

Tag 3: Ein Urlaubstag an dem ich eigentlich nichts vor hatte. Da lässt sich ja wohl ein kleines Läufchen unterbringen. Zunächst einmal stand aber Gartenarbeit auf dem Plan. Dann musste der Grünabfall natürlich auch weg gebracht werden. Ein Halbmarathon durch diverse Baumärkte krönte sozusagen den unausgefülten Tag. Prima. Aber nun ging wirklich ans Laufen: als Strecke hatte ich mir die 5,5km vorgenommen, war aber nicht wirklich sicher ob es eine gute Entscheidung war. Nicht dass ich zu viel mache. Auf Schmerzen hab ich nicht so viel Lust. Ich kann ja noch abbiegen auf die kürzere Variante dachte ich mir. Hab ich dann aber doch nicht getan. Zunächst war es wie gestern. Angespannte Schultern, die aber mit der Zeit locker ließen. Dafür meldeten sich nach etwa der Hälfte der Strecke meine Beine. Die wurden nämlich etwas schwer. Dass es dort einen leichten Anstieg gab verstärkte das Gefühl noch. An der Straße blieb ich stehen weil ich drei Autos durchlassen musste, dann lief ich aber sofort wieder los. Endlich ging es runter…lief auch gleich viel besser. Nach gut 4km wurds aber sehr zäh. Langsamer laufen brachte (wie schon früher) nur den Effekt dass die Beine noch schwerer wurden. Also ging ich für etwa 100 Meter. Das tat gut und ich konnte (wenn auch nur durch meinen Willen) den Rest der Strecke durchlaufen. Manmanman, das mir mal 5,5km zu viel werden können hab ich auch icht erwartet. Nach der langen Pause aber wohl irgendwie doch klar. Für morgen such ich mir was ganz kurzes.

Tag 4: Freie Tage sind zum füllen da. Heute hab ich den Putzwahn bekommen. Erst das Bad, dann das Schlafzimmer (inklusive Doppelfenster und großer Spiegelkleiderschrank). Pause zum Mittagessen. Dann ran ans Wohnzimmer…puh, ziemlich staubig..*hust. Dazu noch 2 Doppelfenster. Nebenbei noch Matthias beim Bauen geholfen, schnell nochmal zwei 30kg Säcke Beton nachgekauft. Huch, fast 20 Uhr. Dann geh ich wohl mal laufen. 2,8km werden es. Nachdem die ersten paar hundert Meter sehr schwer in den Beinen sind geht es danach wunderbar locker weiter. Kaum zu glauben, aber wahr. Liegt wahrscheinlich in der Kürze der Strecke. Wie auch immer, hat gut getan und prima Spaß gemacht. Morgen gehts weiter. Hmm, ja!

Tag 5: Heute war irgendwie ein “nix”-Tag. Nix gemacht aber auch nicht wirklich zu besonders viel Lust gehabt. Nach dem vollen Tag vielleicht auch ganz gut. Der Lauf, hmmmmm….äääähm. Ha, klar bin ich gelaufen. 4,2km ums Maisfeld rum. Schöne Runde ist das eigentlich, wenn ich auch jetzt im Sommer die dicken Schottersteine nicht so gern mag. Hat immer irgendwie Umknickpotential, zumal der Weg nicht mal eben ist sondern in der Mitte höher und an den Seiten gehts halt leicht runter. Nach der Schotterstrecke gehts übrigens auf einem Pflastersteinweg ähnlich weiter. Ziemlich nervig. In der Mitte (also “oben”) ist es irgendwie zu schmal und an den Seiten so schräg. Da muss ich doch immer an rechts- und linkslaufende Deischschafe denken und fühle mich oft genug als ein solches. Da ich diese Strecke zu Zeit öfter frequentiere laufe ich sie mal in die eine mal in die andere  Richtung, nicht das irgendwann meine Beine extrem ungleich lang sind. Der Lauf an sich war aber auch ganz gut. Icon Smile in Streak doch einfach...

Tag 6: begann mit Müslifrühstück und ging weiter mit einer Bahnfahrt nach Hamburg. Bei SportKarstadt schöne Saucony runtergesetzt gesehen, aber nicht gekauft. Will meine nächsten Schuhe mal nach sorgfältiger Analyse kaufen. Bisher war es ja mehr ein wirres “reinschlüpfen – wohlfühlen – kaufen”. So  nenn ich ein Sammelsurium von verschiedenen Laufschuhen mein Eigen aber obs auf Dauer so gut ist…wer weiß das schon? Bei SportScheck  gabs meinen schönen NB 758 billiger, aber die sind noch fast neu und so dicke hab ichs nun auch nicht…..ausserdem: die Analyse! Gelaufen bin ich diesmal mit Matthias. Oliver und Philip waren als Fahrradbegleitung dabei. Sagenhafterweise sind diesmal keine merkwürdigen Dinge passiert und wir alle sind nach 3,6km recht entspannt wieder zu Hause angekommen.

Tag 7: Vormittags musste erstmal das Kaminzimmer geputzt werden. Die Putzerei seh ich mal ganz frech als mein derzeitiges Krafttraining an. Mittags sind wir dann mit den Kindern zu einer kleinen Fahrradtour aufgebrochen. 3,5 Stunden, 3 Bratwürste und eine halbe Baguettstange später war ich dann aber doch nch bereit zu laufen. Gleiche Strecke wie gestern nur eine Schleife mehr (also 4,2km), allein und natürlich anders herum gelaufen…wegen der Beinlänge, man weiß ja nie. Nach den obligatorischen leicht schweren Oberschenkeln auf den ersten paar hundert Metern wurde es ein wunderbar lockerer Lauf. Fast wieder wie früher, allerdings nur vom Gefühl her, denn viel langsamer war es auf jeden Fall. Aber das Gefühl ist guuuuut.

Tag 8: Das Gefühl von gestern war auch heute da. Einfach nur guuuuut! Ich hab mich spontan doch noch einmal für die 5,5km Strecke entschieden und war bereit notfalls eben wieder zu gehen. Heute war es nicht nötig. Ich bin die Strecke einfach mal eben so locker abgelaufen. Na ok, sooo locker dann auch nicht, aber jedenfalls ohne die Gefahr gehen zu müssen. Ha! Vielleicht kam mir zugute dass ich sie heute anders herum gelaufen bin als sonst. Da war ein kleiner Anstieg weniger als in die andere Richtung. Auf der ersten Hälfte hatte ich dafür recht ordentlichen Gegenwind, aber sowas kehrt sich ja dann auf dem Rückweg wieder um. Ich glaub morgen geh ich glatt wieder laufen. Icon Biggrin in Streak doch einfach...

Tag 9: Heute hatte ich mördermäßig Lust zu laufen. Warum sind es dann nur 2,8km geworden? Nun ja, ich hab wirklich echt und ehrlich furchtbare Angst vor Überbelastung. Vielleicht bin ich zu vernünftig und zu vorsichtig. Aber es wäre einfach zu schlimm wenn ich mir jetzt irgendwas hole weil ich zu schnell steigere. Von Null auf täglich laufen ist schon eine Belastung. Gut, es waren kurze Strecken und auch langsam gelaufen, da ginge sicherlich mehr. Nur: muss ich es herausfordern? Nö! Morgen gehts jedenfalls  wieder etwas länger.

Tag 10: Es ist ja eigentlich kaum zu glauben wie aus einem absoluten “Null-Bock-auf-Laufen” so eine Serie werden kann. Ok, für den “echten” Streaker mögen 10 Tage lächerlich sein. Für mich ist es der Anstoss zum wieder “einfach nur laufen” gewesen. Heute wagte ich mich auf eine Strecke von 6,9km. Ich wollte einfach gern im Wald laufen und hatte schon Gehpausen eingeplant.  Die ersten 2km waren ziemlich schleppend, aber dann kam ich doch noch  gut in den Tritt. Im Wald war es einfach nur herrlich. Ich war ganz allein (mit meinen Ohrstöpseln Icon Wink in Streak doch einfach... ), ein Genusslauf pur. Kurz bevor ich wieder zur Straße abbog kamen mir 2 Walkerinnen entgegen die ich freundlich grüßte. Dann war ich wieder allein. An der Bundesstrasse musste ichz ein paar Sekunden stehen bleiben und den Verkehr vorbeirauschen lassen, dann lief ich wieder weiter. Geschafft. Ohne Gehpausen. Wahnsinn.

10 Tage täglichen laufens liegen nun hinter mir. Ich für mich habe meine Freude am Laufen wieder gefunden. Es war als hätte ich sie nur kurz mal verlegt, vielleicht unter einem zu großen Haufen Plänen mit Zeitambitionen. Es war bisher eine schöne Erfahrung, keinen Tag hatte ich das Gefühl ich “müsste” laufen. Ich wollte es einfach. Sicherlich werde ich noch einige Zeit weiter täglich unterwegs sein. Wie lange? Keine Ahnung, das mag ich nicht planen. So lange ich Spaß daran habe und es keinen Druck macht. Und dann? Mal sehen….

ENDE

2 Kommentare auf "Streak doch einfach…"

  1. Thommy sagt:

    Klasse Jula ..viel Spaß beim Streaken ..Ist Matze denn mit dabei , oder regeneriert er noch ;-)

  2. Daniela sagt:

    Hi Thommy, der läuft schon auch. Aber seine eigenen Runden. Ich mag einfach lieber allein. :-)

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