Ich habe es geschafft: Ich bin Läuferin

29. Mai 2010 | Von Matthias | Kategorie: Erfolgsberichte zur Motivation

Erfolg-by S -Hofschlaeger Pixelio De -400x223 in Ich habe es geschafft: Ich bin Läuferin

Nun ist er da: Der zweite Gast-Laufbericht. Als er uns zugemailt wurde, war mein erster Gedanke, dass er etwas zu zu lang war. Und so vergingen einige Tage, an denen ich mir immer zwar wieder vornahm, den Bericht für die Veröffentlichung vorzubereiten. Ich hatte Zweifel, ob er überhaupt zu unser Konzept passt. In einer ruhigen Minute druckte ich den Bericht aus und fing an zu lesen. Ich hatte wenig Zeit, weil ich noch laufen wollte,  und nahm mir vor, deshalb maximal drei Absätze zu lesen. Spätestens beim zweiten Absatz wurde mir klar, dass ich meinen Lauf verschiebe, weil ich erst diesen Bericht unbedingt zu Ende lesen musste. Ich konnte einfach nicht davon ablassen. Er fesselte mich und ich kann nur sagen, Wahnsinn, was unser Sport bei Menschen erreichen kann. Nun freue ich mich schon auf die Fortsetzung, die hoffentlich bald folgen wird.

Zarte Laufanfänge

Laufen fand ich schon immer toll. Wie soll ich sonst den Start meiner ersten Laufkarriere im Kindesalter begründen? Diese erste Laufkarriere begann mit 9 Jahren. Und sie endete vier Tage später ganz tragisch für mich persönlich, ebenfalls mit 9. Ich wurde von einer Schulfreundin in eine Leichtathletikgruppe mitgenommen. Hörte sich ganz nett an und ich wollte das mal versuchen, weil Laufen toll war. Leider veranstaltete diese Laufgruppe am darauffolgenden Sonntag einen Laufwettkampf. Ein Waldlauf für verschiedene Altersgruppen. Total unvorbereitet und ungeübt lief ich in der Gruppe bis 12 Jahre über etwa 3-4km. Es war eine große, unübersichtliche Laufgruppe, ich startete irgendwo im vorderen Feld und kam anfangs ganz gut voran. Aber wie das so auf Waldwegen ist, sind die nicht immer alle gleich breit und schon gar nicht gleich gut. Ich wurde also irgendwann durch robustere, ältere Läufer abgedrängt und überholt. Etliche Scharen liefen an mir vorbei, während ich aufpassen musste, dass ich nicht am Rande des Laufwegs in die Büsche gedrängt wurde. Für ein neujähriges Mädchen eine schlimme Erfahrung. Frust und Trotz gaben den Rest und so kam es noch schlimmer. Es passierte leider, dass ich wirklich von allen überholt wurde. So kam ich irgendwann gehend ins Ziel, wo ein fieser Lautsprecher endlich auch meine Ankunft ansagte. Eine schlimme Erfahrung für so ein kleines Läuferleben, das damit auch erst einmal wieder beendet wurde. Ich widmete mich also erst einmal anderen Sportarten. Vom Laufen oder von der Leichtathletik an sich wollte ich nichts mehr wissen.

Holzl Ufer-by Rike Pixelio De -400x323 in Ich habe es geschafft: Ich bin LäuferinDie Jahre vergingen und ich fand es weiterhin toll, wenn andere Woche für Woche ihre Läufe absolvierten, aber das trieb mich nicht wirklich dazu, es ihnen nach zu machen. Ich blieb bei Fußball und Volleyball, das reichte mir. Das ging so bis zu einem Alter von 25-27. Danach war erst einmal Schluss mit regelmäßigem Sport. Das Gewicht stieg stetig an. Ich war Anfang 30 und weit entfernt von sportlicher Betätigung. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Aber mit meiner mittlerweile nicht mehr vorhandenen Kondition war ich für einen Mannschaftssport nicht zu gebrauchen. Den Versuch musste ich also nicht mehr machen.

Die 100 kg – Marke erreicht

Eigentlich kein Wunder bei fast 100kg verteilt auf 1,71m Größe. Zu der Zeit kursierten in meiner Firma Laufpläne für Anfänger. Ich wurde hellhörig und tastete mich langsam an den Gedanken heran. Eine Kollegin, die ich eher als Nicht-Sportlerin eingeordnet hatte, konnte nach diesem Laufplan innerhalb weniger Wochen eine halbe Stunde am Stück laufen. Ein utopischer, aber auch verlockender Gedanke. Das wollte ich auch. Den Plan hatte ich schnell, ich war auch motiviert, blieb nur noch die Frage nach dem Wo. Wo gab es in der näheren Umgebung einen Weg, der nicht steil bergauf ging, der nicht zu öffentlich war, wo mich bloß keiner sehen konnte und wo ich wirklich ungestört eine Minute laufen und eine Minute gehen im Wechsel veranstalten konnte? Mir fiel natürlich auf Anhieb keiner ein. Ich beschäftigte mich also überhaupt nicht damit, ob ich laufen würde, das überhaupt schaffen könnte oder ob ich geeignete Schuhe habe, sondern nur mit dem Gedanken, wo es einen abgelegenen Ort zum Laufen geben könnte? Schließlich habe ich einen Feldweg auserkoren. Es ging zunächst bergab und dann nur noch geradeaus. Der erste Lauf konnte also beginnen. Ich wollte 15 mal eine Minute laufen und 15 mal eine Minute gehen. Es wurde ein Fiasko. Von der Couch in die Laufschuhe und weiter auf den Feldweg war nicht so amüsant, wie es dieser Laufplan auf dem Papier versprach. Ich war kaputt und hechelte. An 15 Einheiten war überhaupt nicht zu denken. Ich schob es auf die schlechten Schuhe und war mal wieder von einem Laufversuch enttäuscht. Am nächsten Wochenende der nächste Laufversuch. Aber was soll sich innerhalb einer Woche schon geändert haben? Genau, nichts. Das merkte ich, als ich wieder an gleicher Stelle los lief und auch hier wieder kläglich versagte. Drittes Wochenende, dritter Versuch, drittes Scheitern. Das motivierte nicht gerade. Ich sagte mir selbst, dass diese Laufpläne für normalgewichtige Laufanfänger seien, nicht aber für mich. Der Gedanke, durchs Laufen Gewicht verlieren zu können, war dahin. Zugegebenermaßen waren drei Versuche nicht viel, aber es reichte, um enttäuscht aufzugeben. Das war 2002.

Ich hatte also erneut einen Haken hinter meine Laufkarriere gemacht. Trotzdem Gewicht-by By-sassi Pixelio De -400x266 in Ich habe es geschafft: Ich bin Läuferinwollte ich immer mal laufen können. Dass das mit über 100 kg bei meiner Größe nicht sofort klappen und zudem noch ungesund sein würde war klar. In der Theorie war ich ganz gut. Also bewahrte ich es mir als Traum auf, irgendwann mal eine halbe Stunde am Stück laufen zu können – oder sogar noch mehr. Aber es vergingen noch einige Jahre und mein Gewicht nahm noch einen weiteren Schlenker nach oben.

Jetzt aber

Angekommen bei knappen 106 kg sollte dann Schluss sein. Zwischenzeitliche Abnehmversuche brachten nicht wirklich die Wende. Bis dann offenbar im Jahr 2008 alles stimmte, Kopf und Körper wollten und ich so 25 kg innerhalb von gut 6 Monaten abnehmen konnte. Mein großes Ziel, das Laufen, rückte allmählich näher. Allerdings wollte ich nicht erneut auf Laufpläne hineinfallen, die mich schnaufend zusammen brechen lassen würden. Ich ging es langsamer an. Ich ging einfach nur. Bei Wind und Wetter begann ich im Januar 2008 mit meinem neuen Outdoorsport „Gehen“. Ich hatte mir eine Strecke ausgesucht, die etwa 6km lang ist, kleinere Anstiege hat, aber gut zu bewältigen war. Ich achtete plötzlich auch gar nicht mehr darauf, ob ich vielleicht gesehen werden konnte. Gedanken, die ja etwa 6 Jahre zuvor das eigentliche Laufen vollkommen überlagerten, gab es jetzt gar nicht mehr. Ich ging einfach los. Im kalten und stürmischen Januar erinnerte das nicht im Entferntesten daran, dass daraus mal ein Lauftraining werde könnte.

Aber dafür stand ich ja am Anfang. Mit guten Walkingschuhen, erst einmal normaler Winterkleidung und einer Stoppuhr zog es mich also raus. Ich merkte schnell, dass es genau das richtige für mich war. Vor allem wollte ich es ganz langsam angehen lassen und Kondition aufbauen. Vier- bis fünfmal die Woche ging ich meine Strecke. Nach einem Monat war es bereits eine kleine Sucht und ich musste raus. Und als im März das Wetter besser wurde, merkte ich schnell Erfolge. Die Stoppuhr bestätigte meinen Eindruck, dass ich Minute um Minute gut machte. Ende März nahm ich mir vor, dass ich im Herbst die 6 km nicht mehr gehend, sondern laufend in einem Stück schaffen wollte.

Das war ein gutes Ziel. Ich ging Tag für Tag und mein Gewicht wurde weniger, die Kondition besser. Das war ganz deutlich. Natürlich gab es auch kleinere Rückschläge wie Erkältungen, Sommergrippe oder eine Pause wegen Problemen am Fuß oder Zwicken im Knie. Aber das hinderte mich nicht, nach den entsprechenden Pausen sofort dort weiterzumachen, wo ich aufgehört hatte. Im Mai machte ich mich voller Übermut mal wieder an einen dieser Laufpläne zu schaffen.

Wieder eine Minute gehen, eine Minute laufen. Ok, das klappte, sogar weit mehr als eine Minute laufen. Machte mich aber nicht sehr glücklich. Was waren denn schon drei bis vier Minuten? Aber ich wollte dieses Mal nicht aufgeben. Ich hatte nicht die kleinen Schritte auf dem Weg zum Ziel im Auge, sondern den Oktober an sich, in dem ich laufen können wollte. Und so ging ich weiter! Im Sommer drehte ich meine Runde fast jeden Tag. Ende August merkte ich, dass das Gehen nicht mehr lange halten würde. Ich war zu schnell zum Gehen. Und so legte ich nach und nach schon die letzten Meter laufend zurück. Oft ging ich auch einfach nur mein schnelles Tempo weiter, aber wenn ich laufen wollte, dann hatte ich auch den Ehrgeiz, bis zum Ende durchzulaufen. Das waren natürlich noch keine langen Abschnitte. Wenn ich mir allerdings vornahm, beispielsweise ab einer bestimmten Brücke zu laufen, so wurde von da an auch nur noch gelaufen und ich durfte nicht mehr gehen. So forderte ich mich langsam selbst heraus. Und mit den Ansprüchen, änderte sich auch langsam die Einstellung. Den größten Teil zwar noch gehend, fühlte ich mich innerlich doch schon als halber Läufer. Natürlich war das übertrieben, aber psychologisch wahrscheinlich ganz gut und vor allem ein Ansporn, das Oktoberziel im Auge zu behalten.

Sieg-Niederlage-by S -Hofschlaeger Pixelio De -400x266 in Ich habe es geschafft: Ich bin LäuferinAls der September langsam zu Ende ging, kam also der Monat, in dem ich meine Laufverabredung mit mir selbst hatte. Ich hatte mir wirklich viel Zeit gegeben und fühlte mich richtig fit. Trotzdem kamen natürlich Zweifel: Würde ich es in einem Stück schaffen? Würde ich schlapp machen oder waren die ganzen Geheinheiten ausreichend? Ich würde es ja sehen. Also nahm ich mir Mitte Oktober einen Sonntagvormittag und lief los. Nach 14 Minuten machte ich meine erste Gehpause. Naja, ganz ok, aber doch nicht das, was ich erwartet hatte, oder? Nach einer kurzen Gehunterbrechung lief ich weiter. Leider musste ich weitere Gehpausen einlegen. Die letzten 500m etwa waren dann ein Gemisch aus Gehen und Laufen, aber beides nicht richtig. Ok, das war der erste Versuch. Davon wollte ich mich doch nicht abhalten lassen! Ich sagte mir die ganze folgende Woche, dass ich die erste Gehpause nur machen musste, weil ich mir gedanklich nicht die volle Strecke in einem Stück zugetraut hatte. Hätte ich mehr Mut gehabt, hätte ich mir die Pause sparen können und wäre vielleicht schon in einem Stück rum gekommen. Schuld war also der innere Schweinehund. Nach weiteren Geheinheiten, folgte am nächsten Wochenende der zweite Versuch. Und dann klappte es auf einmal. Der Schweinehund blieb zu Hause und so lief mein zweiter Versuch fast von selbst. Meine Kondition stimmte, meine Beine spielten mit und ich sagte mir bei jedem Schritt, dass ich das schaffe und auf gar keinen Fall jemals wieder eine Gehpause für diese Strecke benötigen würde. Und so ist das bis heute geblieben.

Meine Haus- und Hofstrecke über die 6km lief ich den ganzen Winter hindurch. Bei Wind und Wetter zog es mich zum Laufen. Zum Gehen hatte ich natürlich keine Lust mehr. Ich wollte keine Rekorde brechen, aber ich wollte das Erreichte nicht wieder hergeben. Allein der Gedanke, dass ich im Winter meine Kondition verlieren könnte, trieb mich immer wieder raus. Und so verlängerte ich meine Strecke im Frühjahr auf 7,5km, wenige Wochen später auf 9km und ab August 2009 lief ich 11km in einem Stück. Gehpausen gab es nie wieder, bei keiner neuen Strecke. Ich bin dabei geblieben, dass ich mir meine Ziele so stecke, dass ich sie gut einhalten kann. Natürlich hätte ich das bestimmt schneller erreichen können. Aber genau in diesem Tempo und mit diesem Vorsatz konnte ich meine gesteckten Ziele jeweils gut erreichen, ohne dass ich irgendwann mal enttäuscht abbrechen musste.

Da stehe ich jetzt

Mein aktueller Stand, nach etwa 1,5 Jahren Lauftraining, ist, dass ich mehrmals die Woche laufe. Im Jahr 2009 bin ich über 1.200km gelaufen, was ich als Laufanfänger für mich schon recht gut finde. In den Sommermonaten laufe ich am liebsten direkt nach dem Aufstehen, bevor der Büroalltag beginnt. So kommen in der Woche schnell 30 km zusammen, manchmal sogar mehr. Neben meiner üblichen 11km-Strecke laufe ich mittlerweile auch Strecken von 15-18km. Die sind gut zu bewältigen. Ich bin nach wie vor nicht sonderlich schnell, habe aber immer meine Uhr dabei und freue mich über jede Sekunde, die ich mal wieder schneller war. Aber Schnelligkeit an sich ist auch gar nicht mein vorrangiges Ziel. Ich kann lang und ausdauernd laufen, die Schnelligkeit kommt hoffentlich irgendwann von selbst. Zumal ich noch immer nicht bei meinem Wunschgewicht angekommen bin. Ich musste irgendwann einsehen, dass Laufen allein kein Abnehmprogramm darstellt, wenn man sich nicht trotz allem noch etwas beim Essen zügelt. Das fällt mir mal leichter, aber eben oft auch schwerer, aber das wird schon. Das Laufen kann da gut unterstützen – wenn man selbst nur will! Und das will ich natürlich, denn das eine oder andere Ziel habe ich da schon noch. Meinen ersten Volkslauf habe ich gerade erst über 10km hinter mich gebracht. Das war schon ein Erlebnis. Es lief sich total leicht und ich freute mich, dass ich den Schritt gewagt hatte. Läufe dieser Art werde ich gern wieder anpeilen. So soll es spätestens im nächsten Frühjahr meinen ersten Halbmarathon geben. Und irgendwann gibt es da dann hoffentlich auch die Verwirklichung des ganzen großen Traums: Meinen ersten Marathon. Insgesamt wird es aber dabei bleiben, dass ich keine Sammlung an Volkslaufteilnahmen haben möchte, sondern einfach nur zum Spaß und für die persönliche Fitness laufen werde.

Der Bericht stammt von Kuzak aus dem Abnehmen-Forum

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