Pro und contra zum Einhalten eines Trainingsplanes

9. Mai 2010 | Von Matthias | Kategorie: Basics zum Thema Laufen

Streitgespr Ch-by-rico-k Hnel Pixelio De -400x300 in Pro und contra zum Einhalten eines TrainingsplanesIn Laufbüchern,  in -zeitschriften oder auch im Internet finden sich zahlreiche Trainingspläne. Diese Trainingspläne haben alle eines gemeinsam: Sie versprechen mehr oder weniger dem Trainierenden, dass sie / er die gesteckten Ziele erreichen wird. Es stellt sich dabei die Frage, ob die Trainingspläne nur grobe Marschrichtung sind, oder der Erfolg auch wirklich nur bei striktem Einhalten bestmöglich eintritt. Wir haben dazu zwei unterschiedliche Meinungen erhalten, die nicht immer ernst genommen werden dürfen.

Jeder Läufer weiß, dass Laufen die allgemeine Ausdauer steigert. Um sich zu verbessern, braucht der Körper Anreize. Häufig kommt die Idee auf, an einer Laufveranstaltung teilzunehmen. Natürlich ist es dort das Ziel, eine möglichst hervorragende Zeit zu erzielen. Um deshalb genau auf den Punkt die richtige Form zu haben, gibt es professionell erarbeitete Trainingspläne. Diese Pläne steigern in einem festen System die Trainingsreize und sorgen somit zu einer Formverbesserung.  Im Wesentlichen wird die Ausdauer aber auch die Schnelligkeit trainiert. Sollte man sich nun jeden Lauf an die Vorgaben halten oder ist es kein Problem, diesen Plan nur als Richtschnur zu sehen und selber kreativ seine Einheiten bilden?

Daniela und Matthias haben dazu ganz unterschiedliche Meinungen. In – nicht immer ganz ernst zu nehmenden – Plädoyers nehmen sie Stellung.

Er meint:

Trainingspläne sind absolut sinnvoll. Ist man nicht selber ausgebildeter Lauftrainer und will ein ergeiziges Ziel erreichen, kommt man an fertigen Laufpläne nicht vorbei. Es sei denn, man gönnt sich einen Personal-Trainier. Lauftrainingsplanung ist anspruchsvoll.

Immer, wenn ich eine Laufveranstaltung mit einen für mich besonderen Wert ansteuere, nehme ich mir einen Trainingsplan. Sie werden dann lediglich auf den Termin umgemünzt. Grundsätzlich ist es so, dass wenn ich mir etwas vornehme, will ich den größmöglichen Erfolg haben und Fehler unbedingt vermeiden. Traingspläne sollten deshalb von Jeden eingehalten werden, der Erfolge realisieren will. Die Pläne kommen von Profis. Bei einer Operation am offenen Herzen sage ich ja schließlich auch nicht dem Chirogen, ach heute schneiden Sie mal an meinem Herzen drei Milimeter weiter rechts.

267-231x400 in Pro und contra zum Einhalten eines TrainingsplanesLäufer, die Pläne nicht einhalten sind entweder nicht in der Lage, dies Trainingsinhalte zu schaffen, oder sie haben in ihnen kein Vertrauen. In beiden Fällen sollten sich die Betreffenden fragen, ob die Pläne dann auch überhaupt grundsätzlich was für sie sind oder ob die Ziele nicht ein wenig zu anspruchsvoll sind.

Die Pläne sind von Leuten gemacht, die etwas vom Laufen und von Trainingsmethodik verstehen. Jede einzelne Einheit ist wohl durchdacht. So sind sie für mich ein absoluter Mehrwert. Ich wäre doch anmaßend als Laie zu glauben, dass ich die ein oder andere Einheit besser aufbauen kann. Ich kaufe mir doch auch nicht einen Ikea-Schrank, um dann in der Anleitung bewusst Arbeitsgänge zu verändern, um dann statt dem Schrank ein Bett zu erhalten. Ich will doch meine Bestzeit verbessern und nicht nach der halben Distanz feststellen, dass ein Bett heraus kam äh ich meine natürlich, dass ich die Geschwindigkeit zum Erreichen des Zieles zwar grundsätzlich drauf habe, aber halt nur für die Hälfte der Distanz.

Ein weiterer Vorteil des Einhaltens liegt in der Abstimmung der einzelnen Einheiten. Nur ein Profi weiß, wann es an der Zeit ist, seinen Körper zu belasten und wann eine ruhigere Einheit notwendig ist. Nur so ist eine kontinuierliche Verbesserung möglich. Das willkürliche, laienhafte Ändern der Einheiten kann allzu leicht dazu führen, dass man die Belastung so hoch schraubt, dass eine Formsteigerung ins Gegenteil umschlägt. Andersrum ist es natürlich so, dass trotz subjektiven anderlautendem Gefühl, der Körper eine harte Einheit vertragen kann, ja sogar für die Formsteigerung braucht. Setzt man jetzt eine eher ruhigere Einheit ein, lässt man eine große Chance in Richtung Spitzenzeit liegen. Läufer, die den Trainingsplan ändern, sind nicht einfach bereit, sich in schwachen Momenten zu quälen bzw. fehlt die menschliche Stärke, mit einem guten Körpergefühl auch einmal zurück zu fahren. Statt “Freestyler” ist somit der Begriff Leistungsverweiger wohl eher passender.

Faden-zum-Erfolg-by RainerSturm Pixelio De -400x266 in Pro und contra zum Einhalten eines TrainingsplanesNatürlich gibt es auch Vorteile, Trainingspläne zu verändern. Rein sachlich gesehen enden sie aber schon mit terminlichen Besonderheiten eines jeden Einzelnen.  Der Hauptgrund der Befürworter ist jedoch das Nachkommen subjektiver Befindlichkeiten. Diese können aber bei einer professionellen Trainingssteuerung ganz gewaltig täuschen.

Sie meint:

Ich habe ja nichts gegen Trainingspläne. Wirklich nicht. Den ein oder anderen habe ich sogar schon benutzt. Na zugegeben, wer meine Laufberichte gelesen hat, weiß dass ich sie nicht befolge. Nicht sklavisch zumindest. Ehrlich gesagt höchstens ansatzweise. So ein Plan ist ja gut und schön. Ich habe nur wirklich ein Problem damit, dass der mir ganz genau vorgibt, wann ich wie und was laufen soll. Mir reicht es, wenn ein Trainingsplan mir Kilometer und vielleicht noch Einheiten vorgibt. Ob ich am Dienstag dann nun wirklich Tempointervalle laufe, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht tu ich es wenn mir danach ist. Vielleicht verschiebe ich sie auf Samstag, weil mir dann danach ist. Im Plan steht 3×2000m? Macht nix, 6×1000m find ich besser. Ich habe Spaß am Laufen, laufe gern nach Gefühl, je nachdem, wie es mir geht, auf welche Strecke ich Lust habe, wie das Wetter ist und wie mein Tagesplan ausieht. Alles Faktoren die der beste Trainingsplan der Welt nicht berücksichtigen kann, weil es zum größten Teil Momentaufnahmen meines Lebens sind.

Die Trainingspläne sind dafür da eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit laufen zu können. Wer sich eins zu eins daran hält, hat gute  Chancen, dass er es auch wirklich schafft, denn diese Pläne sind von erfahrenen Trainern, die selbst oft Weltklasseläufer waren erstellt worden. Wer sich an solche Trainingspläne hält, trainiert effektiv. Manchen Läufern hilft es sicherlich, auch wenn sie genau vorgesetzt bekommen, wann sie welche Einheit machen sollen (müssen?) um ihr Ziel zu erreichen. Sie fühlen sich dann sicher, gut aufgehoben, gut betreut. Schließlich tun sie ja alles dafür, das ihr Vorhaben zu einem Erfolg wird. Erfolg wird berechenbar gemacht. Alles schön in Excel-Tabellen verpackt und dokumentiert. Da kann doch eigentlich gar nichts mehr passieren. Und wenn doch war der Plan vielleicht doch nicht so gut. Beim nächsten Mal wird dann lieber ein Anderer genommen, gibt schließlich genug Auswahl.

DSC 0380 in Pro und contra zum Einhalten eines TrainingsplanesJeder Läufer hat Stärken und Schwächen und reagiert anders auf bestimmte Trainingsreize. Wer Trainingspläne verändert, muss schon großes Vertrauen in sich und seine Körper haben. Wer aber ist nicht schon oft genug lustlos in ene vorgegebene Trainingseinheit gegangen? Und hinterher unzufrieden oder sogar frustriert wieder heraus? Da möchte ich dann rufen: “Hättest du bloß auf deinen Körper (deine innere Stimme) gehört.” Kein Trainingsplan kennt den Läufer als Individuum. Es hängt so viel von er Tagesform und Stimmung ab. Wenn ich heute 6×1000m in 4:18 laufen kann, kann ich es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht, wenn es der Trainingsplan vorgibt. Verliere ich da nicht das Vertrauen? Ich verändere einen Trainingsplan so, dass er zu mir passt. Merke ich, die Umfänge sind zu groß, schraube ich sie runter. Kommen sie mir zu wenig vor, oder merke ich während des Laufens, “da geht noch was”, passe ich meinen Lauf entsprechend an. Es ist doch auch unlogisch, einen Tempolauf unbedingt durchzuziehen, obwohl das Knie zwickt oder ich eigentlich eine laufende Nase habe.  Lasse ich aber ein paar Läufe im Plan aus, muss ich doch Angst haben, dass der dann nicht mehr zum Erfolg führt wenn ich mich zu sehr auf den Trainingsplan versteife. Der Vorteil liegt dann eindeutig bei dem, der das ganze entwas lockerer sieht und sich eben auf sich selbst verlässt statt auf andere.

Wie seht Ihr das? Wir sind gespannt auf Meinungen.

Tags: , ,

Ein Kommentar auf "Pro und contra zum Einhalten eines Trainingsplanes"

  1. Carsten sagt:

    Ich denke mal, es ist eine persönliche Sache, ob man Trainingspläne mag oder nicht. Der eine braucht die klare Vorgabe, der andere fühlt sich dadurch eher eingeengt. Hinzu kommen Lebenswandel und Trainingsmöglichkeit. Wer durch Beruf oder Reisetätigkeit bedingt einen Trainingsplan nicht einhalten kann, sollte dem nicht hinterherlaufen.
    Um ein Ziel zu erreichen, braucht es ein systematisches Training. Wichtig ist, dass man einige Grundprinzipien berücksichtigt, dann geht es auch ohne ausgefeilten Trainingsplan.
    Lieber mit Spaß und Freude laufen ohne Trainingsplan – auf die Gefahr hin, die mögliche Bestzeit etwas zu verpassen – als sich in das Schema eines Plans zu pressen und dann irgendwann die Lust am Laufen zu verlieren.

Schreibe einen Kommentar